Für Eigeninitiative, Bildung und Gestaltung von Politik: Bischof Gilberto Alfredo Vizcarra Mori aus Jaen/Peru

Die Weihnachtsaktion des katholischen Hilfswerks Adveniat konzentriert sich 2016 auf das Amazonasgebiet mit seinen riesigen Umweltproblemen. Sie wurden hervorgerufen durch rücksichtslose Gewinnung von Rohstoffen wie Erdöl und Mineralien ohne ausreichende Sicherung der Arbeiter und der Umwelt sowie den großflächigen industriellen Anbau der begehrten Agrarprodukte Soja, Palmöl und Rohrzucker.

Bischof Gilberto Alfredo Vizcarra Mori ist zuständig für Jaen im Norden von Peru. Dort treffen Siedler der Pazifikregion mit spanischen Wurzeln auf die indigenen Einwohner in den zum Einzugsgebiet des Amazonas gehörenden Urwaldgebieten. Es gab bereits Tote bei Aufständen der Einheimischen gegen Mitarbeiter der Ausbeuterfirmen, die von der peruanischen Polizei gewaltsam unterdrückt wurden. Heute versucht auch die Kirche einen Weg der Verständigung, was ziemlich schwierig ist angesichts der tiefgreifenden Veränderungen des Alltagslebens der Indigenen: Ihre Lebensgrundlagen wie Wasserversorgung wird durch immer wiederkehrende Verseuchung durch Erdöl aus schlecht gesicherten Pipelines zerstört und ihre Lebensgewohnheiten durch die von den Beschäftigten der Konzerne mitgeführten modernen Konsumprodukte radikal verändert. Auch fühlen sie sich von der Regierung im Stich gelassen.

Der Jesuit Vizcarra Mori hat vor seiner Ernennung zum Bischof nicht nur 17 Jahre im Tschad gearbeitet, sondern auch einen Monat mit den Indigenen zu deren Alltagsbedingungen in einem Dorf gelebt, um ihre Probleme hautnah kennenzulernen. Er sieht einen wichtigen Schritt in eine bessere Zukunft in der Vermittlung von Bildung. An kirchlichen Instituten werden zweisprachige Lehrer ausgebildet, die der Jugend in den Dörfern das nötige Rüstzeug vermitteln sollen, ihr Leben mehr und mehr selbst zu gestalten. Dazu gehören auch die Durchführung alternativer Projekte zur Nutzung des eigenen Lebensraums, wie sie der Leiter des kirchlichen Landwirtschaftsinstituts sich vorstellt. Als Beispiele nennt er Fischzucht, den Anbau medizinisch wirksamer Pflanzen und die Rückkehr zu traditionellem Saatgut. Das wäre ein wichtiger Schritt, um die Jugend in der Gegend zu halten und sie nicht in großer Zahl in die Städte abwandern zu lassen.

Laut Bischof Vizcarra Mori ist es neben Bildung auch wichtig, die Eigeninitiative der Menschen zu wecken, ihre Bereitschaft über das durch Bildung erworbene Wissen eigene Politik zu betreiben. Darauf weist er sie bei seinen zahlreichen Besuchen in den Dörfern beharrlich hin. Er hofft, dass die Heranführung der Menschen an die Moderne sanfter ablaufen kann als es derzeit geschieht und dass sie auch wieder den Wert und die Schönheit der eigenen Umgebung zu schätzen wissen.

14. Dezember 2016
Anita Hermann