Bühler Peru-Tag vom 4 März 2018

30 Jahre Partnerschaft mit Gemeinde in Lima

Die Pfarreiband „kreuzundkwer“ probte nochmals den Ablauf der Stücke, als schon eine beträchtliche Anzahl Besucher in die Pfarrkirche St. Peter und Paul strömte. Die vier Sängerinnen Sabine Gehring, Claudia Müller, Heike Rohfleisch und Ruth Trenkle boten zusammen mit den Musikern Stephan Müller (Gitarre), Niko Schmid (Bass) und Joachim Vogel mit dem stilgerechten Cajon, einer Sitztrommel, eine den Festgottesdienst optimal ergänzende Mischung aus dem Liederbuch „Kreuzungen“ entnommenen deutschen Liedern sowie stimmungsvolle spanische Stücke.

Die Internationalität der katholischen Religion unterstrich Pfarrer Wolf-Dieter Geißler gleich zu Beginn des feierlichen Gedenkgottesdienstes: Jesus habe alle Menschen dieser Welt angesprochen und in das Reich Gottes eingeladen, betonte er. Weltoffenheit praktizieren auch die aktiven und passiven Mitglieder des Bühler Perukreises, einer der ältesten der Diözese.

In einem Predigt-Dialog mit Pastoralreferent Nikolaus Wisser veranschaulichte Wolf-Dieter Geißler die Entwicklung dieser Partnerschaft mit der Gemeinde „Nuestra Sen͂ora de la Esperanza“ in der Nähe von Lima. „Wir sind reich an Steinen und Sand“, so hatte der damalige Pfarrer in seiner Bewerbung vor 30 Jahren die wirtschaftliche Situation seiner 60.000 Gemeindemitglieder beschrieben. Deswegen prägten anfangs vor allem finanzielle Zuwendungen für eine tägliche Mahlzeit der notleidenden Menschen, ärztliche Versorgung und eine Kindertagesstätte die Kooperation. Hüttenbau wurde danach ein zentrales Thema, ins Leben gerufen von einer Aktiven der ersten Stunde, der mittlerweile verstorbenen Susi Jacobs.

Mittlerweile stehen Zukunftsprojekte im Fokus der Unterstützung, vor allem Schul- und Ausbildungspatenschaften. Insgesamt sind in den 30 Jahren der Partnerschaft knapp 500.000 Euro Spenden in die Partnergemeinde geflossen. Die Gemeindemitglieder in Lima haben ihrerseits mit ihrer Herzlichkeit bei Besuchen und in Briefen die Perukreis-Aktiven tief berührt. Beeindruckend ist auch immer wieder die natürliche Gastfreundschaft vor Ort. Mancher Bühler Jugendliche fühlte sich auch dadurch angeregt, ein freiwilliges Jahr in Peru zu verbringen, was nicht nur sein eigenes Weltbild, sondern auch das seiner Angehörigen und Freunde prägend beeinflusste. Vorbild sind die Menschen der Partnergemeinde auch darin, wie sie pragmatisch-zuversichtlich und gleichzeitig lebensfroh mit den Engpässen des Alltags umgehen und ihre Religion engagiert und überzeugt leben. Dass der Priester oft nur seltener als einmal im Monat in ihre Wohnbezirke und Dörfer kommen kann, lässt sie trotzdem ihre regelmäßigen Zusammenkünfte in Glauben, Hoffnung und Liebe gestalten.

Wolf-Dieter Geißler dankte für die Spenden und Zuwendungen. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass damit nicht die Gnade Gottes „erkauft“ werden könne. Gott schenkt uns seine Liebe und erwartet dafür, dass wir unseren Nächsten lieben, ihn wertschätzen und unterstützen, wie auch im Jahresmotto der Pfarrgemeinde zum Ausdruck kommt: „Wer ist mein Nächster?“. Das ist auch das Gemeindemitglied in Lima.

Die Feierlichkeiten setzten sich danach im Haus Alban Stolz fort. Der große Saal empfing die Besucher frühlingshaft geschmückt mit Primeln in den Landesfarben Perus, gestiftet von Conny Zink. Alle Sinne wurden angesprochen von den köstlich duftenden, in einem farbenfrohen kalt-warmen Buffet zusammengestellten Speisen nach lateinamerikanischen Rezepten. 38 Hobbyköchinnen und -köche aus der Pfarrgemeinde hatten über 50 Gerichte zubereitet, die in ihrer Vielfalt schnell Abnehmer unter den zahlreichen Veranstaltungsteilnehmern fanden. Nicht nur Erstbesucher äußerten ihre Begeisterung über die schmackhaften Gerichte. Der Weltladen präsentierte in einer eigens aufgebauten Peru-Ecke auch Zutaten, um diese den täglichen Speisezettel bereichernden Gerichte nachzukochen.

In einem bewegenden Bericht zur Partnerschaft informierte die Perukreis-Vorsitzende Christiane Maurer nicht nur über Ereignisse des vergangenen Jahres, sondern erinnerte auch an besonders prägende Momente im Laufe dieser 30jährigen Partnerschaft. Gleichzeitig gedachte sie der bereits verstorbenen Gründungsmitglieder und besonders Aktiven aus der Anfangszeit. Sie freute sich sehr darüber, dass die anwesenden Aktiven der ersten Stunde, wie Alexander Kist, Ingrid Becker und Ingrun Otto noch immer für den Perukreis tätig sind. Leider konnten mehrere andere wegen Krankheiten oder familiären Verpflichtungen nicht teilnehmen.

Dann zitierte Christiane Maurer ihre Haupt-Ansprechpartnerinnen in der Partnergemeinde, María Fajardo und Andrea Quijua, die ihre herzlichen Grüße zum diesjährigen Gedenktag übermittelten.

Christiane Maurer erinnerte auch daran, dass alle Geldspenden für die ausnahmslos kostenfrei zur Verfügung gestellten Gerichte direkt der Partnergemeinde zukommen. Sie lud die Besucher dazu ein, Einzelheiten zu ehemaligen und aktuellen Projekten anhand der liebevoll von Ingrun Otto mit Schrift und Bild komponierten Schautafeln an den Stellwänden vor dem Saal nachzuvollziehen. Pfarrer Wolf-Dieter Geißler bezeichnete in seinem Grußwort den Perukreis als besonders anregendes Element, das seine Pfarrgemeinde so lebendig agieren lässt. Dann zeichnete er Ingrun Otto und Ingrid Becker für ihr 30-jähriges verdienstvolles Engagement mit einer Ehrenurkunde der Erzdiözese Freiburg, Abteilung Weltkirche, aus.

Christiane Maurer hatte bereits Leny Brisset An͂acata Gutierrez begrüßt, eine 22jährige Journalismus-Studentin aus Lima, die im Kindergarten St. Joseph in Weitenung als Freiwillige arbeitet. Mit einem Gedicht, das die Schönheiten Perus beschreibt, dankte sie für die Einladung und sandte einen Gruß an ihre Heimat. Den Reigen des Programms schlossen Kinder und Erzieherinnen des Kindergartens St. Elisabeth mit beschwingten Tanzdarbietungen und dem Gänsehaut erzeugenden Liedvortrag „Wir sind alle Kinder dieser Welt“. Etliche Besucher äußerten abschließend den durchweg ehrenamtlichen HelferInnen gegenüber, dass dieser Gedenktag ihnen ein wunderschönes Erlebnis beschert habe.

 

 


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08. März 2018
Anita Hermann